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Was macht eigentlich ein Biersommelier?

Bierwissen

Was macht eigentlich ein Biersommelier?

Vermittlung von Bierwissen auf höchstem wissenschaftlichen Niveau.

Im Duft leichte Noten von Biskuit und roten Früchte, die Farbe ein leuchtendes Kupferrot, dazu ein moussierendes Mundgefühl. Wer denkt, dass es sich hier um die Beschreibung eines Wein-Experten handelt, irrt sich. So oder ganz ähnlich klingt es seit einiger Zeit auch bei der Beurteilung eines anderen Getränks: Bier.

Seit Jahren zeigt sich eine spannende Entwicklung auf dem Biermarkt. Galt Pils lange Zeit als Synonym für die ganze Branche, sprießen seit Jahren immer mehr kleinere, sogenannte Craft Bier-Brauereien aus dem Boden, die zeigen, wie vielfältig Bier sein kann. Dies macht sich auch im Getränkemarkt und der Gastronomie bemerkbar: Das Angebot an verschiedene Brauspezialitäten ist riesig. Bei weltweit über 150 Bierstilen ist es dabei für den geneigten Biertrinker nicht immer einfach, das passende Getränk zu finden. Kaum jemand weiß, wie ein Stout oder ein Scotch Ale schmeckt.
So hat sich in den letzten Jahren eine Weiterbildung für Bierkenner, Brauer und Interessierte etabliert, die das Thema Bier und Bierkultur in den Mittelpunkt stellt: der Biersommelier.

Ins Leben gerufen wurde diese Ausbildung von der Doemens Academy in Gräfelfing/München, eine namenhafte Schule für alle Themen rund um den Gerstensaft. In einem zweiwöchigen Intensivkurs lernen Brauereifachleute, Gastronomen und passionierte Hobbybrauer Kenntnisse über die Vielfalt des Bieres von der Herstellung bis zur Verkostung und Vermarktung. Auch die Biergeschichte spielt eine große Rolle in der Ausbildung – schließlich beweisen einige Funde, dass Bier bereits um 10.000 vor Christus gebraut wurde. Neben der Theorie sind verschiedene praktische Elemente Teil der Ausbildung wie Schanktechnik oder Glaspflege.

Der wohl wichtigste Aspekt im Kurs ist jedoch die Sensorikschulung. Mit der Theorie im Hintergrund ist es die Aufgabe eines Biersommeliers, Biere erkennen und beschreiben zu können. Jeder Bierstil ist durch verschiedene Kennzeichen geprägt – optisch wie geschmacklich. Die Vielfalt der Farbspiele – von gold-glänzend über mahagoni bis zu tiefschwarz – kündigt den Geschmack und die Düfte an. Einzigartige Duftspiele von Bananen, eingelegten roten Früchten, Schokolade, Nelken oder Zitrusnoten schmeicheln der Nase. Der Geschmack rundet das Erlebnis individuell ab. Von bitterschokoladig bis malzig-süß, von schlankherb bis fruchtig-mild kann jede Brauspezialität eine neue Entdeckung offenbaren. Teil des sensorisches Trainings ist es auch, bieruntypische Aromen – so genannte Bierfehler – zu identifizieren, um die Qualität des Produktes zu überprüfen.

Am Ende des Seminars stehen dann theoretische und praktische Prüfungen wie die Blinderkennung dreier Biere oder die Präsentation einer ausgewählten Brauspezialität an.
Die ersten Biersommeliers Norddeutschland wurden exklusiv direkt in der Störtebeker Braumanufaktur ausgebildet. Dafür reisten die Dozenten extra in die Hansestadt Stralsund, um hier 16 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen zu schulen.

Das erlernte Fachwissen eines Biersommeliers kann ganz vielfältig eingesetzt werden. Als Brauer beispielsweise hilft es bei der Qualitätssicherung der Biere oder auch beim Ausprobieren neuer Rezepturen und Ideen rund ums Bier.
In der Gastronomie steht der Sommelier Koch und Servicepersonal zur Seite, wenn es um die passende Bierempfehlung zur Speise geht, oder organisiert ganz besondere Verkostungen und Events. „Bier und Schokolade“, “Bier und Käse“ oder „Biere aus verschiedenen Ländern und Regionen“ sind dabei nur einige Möglichkeiten.

Alle zwei Jahre messen sich die besten Biersommeliers Deutschlands und der Welt bei anspruchsvollen Wettbewerben. Die Deutsche Biersommelier-Meisterschaft findet als Vorentscheid zur WM der Sommeliers statt und wird von der Doemens Academy in Gräfelfing ausgerichtet. Hier werden die Teilnehmer zunächst in zwei Vorrunden geprüft, bei denen sie Fehlaromen erkennen und in einer Blindverkostung verschiedene Bierstile zuordnen müssen. Die sechs Besten ziehen ins Finale ein und präsentieren hier der Jury und dem Fachpublikum ein Ihnen unbekanntes Bier. Mit dabei und sehr erfolgreich sind seit Jahren auch einige Biersommeliers aus Mecklenburg-Vorpommern.
Sowohl der amtierende Meister Frank Lucas als auch sein Vizemeister Christoph Puttnies kommen aus MV: Puttnies, Brauer und Leiter der Herstellung in der Störtebeker Braumanufaktur aus Stralsund, hat dafür seit Dezember 2016 mehrmals die Woche trainiert. „Ich freue mich sehr über den zweiten Platz. Das ausgiebige Training der letzten Monate hat sich gelohnt - ein Ergebnis, auf das ich wirklich stolz bin“, so Puttnies. „Zusammen mit meiner Kollegin Elisa Preuß, die sich als einzige Frau bei der Deutschen Meisterschaft für die WM qualifizieren konnte, geht es dann im September nach München, um sich dort international mit den Besten zu messen.“ Der Sieger Frank Lucas wurde ebenfalls in der Störtebeker Braumanufaktur ausgebildet – er war bis 2016 als Braumeister und Leiter der Qualitätssicherung zuständig. Damit beweisen die Brauer und Biersommeliers aus Mecklenburg-Vorpommern, dass sie auch beim verkosten höchsten Ansprüchen genügen.
Die WM findet dann am 10. September ebenfalls in München statt.


Geschrieben von: Elisa Preuß
Veröffentlicht am: 18.05.2017
Autorbild Elisa Preuß

Elisa Preuß ist seit 2013 in der Braumanufaktur tätig und ist verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 2016 absolvierte sie den Biersommelier-Lehrgang bei der Doemens Academy in Gräfelfing.